Ginseng Radix

Die Ginseng Radix ist eine Pflanzendroge, die von der Wurzel des Ginseng 6-7 Jahre nach der Kultivierung der Pflanze durch das Herausreißen der Pflanze meist mitte September gewonnen wird. Der Ginseng (Panax ginseng C.A.Mey.) ist eine in koreanischen, chinesischen und sibirischen Berg- und Waldregionen vorkommende 30-60 cm hohe Pflanze. In diesen Regionen wird Ginseng seit Jahrtausenden als Heilpflanze eingesetzt. Je nach Aufarbeitung der Wurzel werden verschiedene Arten der Pflanzendroge erhalten. Daher stammen die beiden bekannten Ginsengdrogen, die rote und die weiße Ginsengwurzel, ab.

Die Ginsengwurzel besitzt einen süß-bitterlichen Geschmack.

ginseng.jpgGinseng Radix1)

Grundsätzlich wird zwischen der weißen und der roten Ginsengwurzel unterschieden. Durch die Verarbeitung des Ginsengs kommt es zu diesen beiden Erscheinungsformen der Droge. Die Verarbeitung des Ginsengs ist regional verschieden. In der traditionellen chinesischen Medizin wird der rote Ginseng mit Wasserdampf behandelt, dann erfolgt eine Trocknung in der Sonne oder der Ginseng wird geröstet. Durch die hohe Temperatur bei der Dünstung findet eine Maillardreaktion statt, die zur Veränderung des Inhaltsstoffprofiles der Droge führt und die Wurzel erhält dadurch ihre rötliche Färbung.

Weißer Ginseng wird durch eine Trocknung in der Sonne ohne vorheriges Kochen gewonnen. Der geschälte Ginseng wird in der Sonne gebleicht und verliert seinen erdigen Korkmantel. Industriell kann weißer Ginseng auch durch Bleichung mit Schwefeldioxid (SO2) hergestellt werden.

Wird die Wurzel dagegen in Wasser gekocht, danach getränkt mit Syrup und anschließend getrocknet erhält man die in Zucker verarbeitete Ginsengwurzeldroge.2)

Die Blätter, Blüten und Samen können ebenfalls als Pflanzendroge eingesetzt werden.

Zum Hauptartikel: Ginsenoside

Grundstruktur der Ginsenoside

Als wirksame Inhaltsstoffe findet man die Ginsenoside, Saponine mit einem Triterpenaglycon. Von diesen sind bis zu 150 verschiedene Vertreter in der Pflanze enthalten.

Den höchsten Ginsenosidanteil besitzen die Blätter und die Wurzelhaare mit 5 - 6 % Gesamtginsenosidanteil. Die Hauptwurzel, die meist als Droge verkauft wird, besitzt lediglich einen Anteil von ca. 1.3 %. Innerhalb des Inhaltsstoffprofils machen die Saponine in der getrockneten Wurzel 2-3% aus. Daneben finden sich Polysaccharide, wie zum Beispiel Panaxane und Ginsenane, Polyacetylene, ätherisches Öl als auch phenolische Verbindungen und primäre Naturstoffe.3)

Nach europäischem Arzneibuch (Ph.Eur.) muss die Pflanzendroge mindestens 0.4 % Ginsenosidanteil aufweisen. Zur Analyse wird nur die Hauptwurzel verwendet.4)

Auswirkung der Verarbeitung

Sowohl weißer als auch roter Ginseng besitzt jeweils eine Reihe von charakteristischen Ginsenosiden. So findet man in weißen Ginseng Malonylginsenoside, die in rotem Ginseng aufgrund der Abspaltung der Malonylreste nicht mehr zu finden sind. In roten Ginseng gibt es auf der anderen Seite andere Ginsenoside (wie zum Beispiel Rh2 oder Rs2), die für roten Ginseng charakteristisch sind.

Die Arbeitsgruppe um Nan untersuchte die Abhängigkeit des Ginsenosidanteils mit der Dauer der Behandlung der Droge mit Wasserdampf. Die Tabelle zeigt einen Ausschnitt aus den Ergebnissen:5)

Dauer: 0h 1h 2h 3h
Ginsenosid Ro 0.20 % 0.21 % 0.24 % 0.21 %
Ginsenosid Rb1 0.81 % 1.09 % 1.60 % 1.43 %
Gesamtginsenosidanteil 3.5 % 4.2 % 5.8 % 5.0 %

Eine andere Studie der Arbeitsgruppe um Chong-Zhi Wang kommt zu anderen Ergebnissen. Sie zeigte, dass durch das Behandeln mit Wasserdampf der Anteil einiger Ginsenoside bei amerikanischen (!) Ginseng steigt, der Anteil anderer dagegen sinkt. Insgesamt verringert sich jedoch der Gesamtginsenosidanteil durch diese Verarbeitungsmethode erheblich (von ca. 8 % auf 2.4 %).6)

Durch die verschiedene Verarbeitungsformen, verändert sich auch die Wirkung des Ginsengs. In einer Studien von 2006 berichtet die Arbeitsgruppe um Ki Sung Kang, dass vorallem sonnengetrockneter Ginseng einen erhöhten Gehalt von Radikalfängern besitzt. Diese Wirkung wird, laut der Arbeitsgruppe, durch Maltol und seine Derivate erzielt, welche durch die Maillardreaktion entstehen.7) Durch die Verarbeitung kommt es auch zur Abspaltung der Zuckerreste der Ginsenoside. Dadurch können die Aglycone Protopanaxadiol und -triol freigesetzt werden, die sich zu Panaxadiol und -triol umsetzen.

Ginsengpräperate werden im westlichen Raum als Tonikum und zur Stärkung und Kräftigung bei Müdigkeits- und Schwächegefühl eingesetzt. Zudem wird es als Mittel bei nachlassender Konzentrationsfähigkeit angepriesen.

Die Inhaltstoffe haben daneben eine Reihen von Wirkungen auf zellulärer Ebene und auf die Regulation von Körperfunktionen. So sind antioxidative, zytotoxische aber auch zytoprotektive Wirkungen der verschiedenen Inhaltsstoffe bekannt. Auch blutzuckersenkende und neuroprotektive Wirkungen sind untersucht worden.


2)
Long Zhixian; The Chinese Materia Medica. Academy Press [Xue Yuan] Beijing, 2007.
3)
R. Hänsel; O. Sticher; Pharmakognosie- Phytopharmazie; Springer-Lehrbuch. Springer, 2009. http://www.springer.com/biomed/pharmacology+%26+toxicology/book/978-3-642-00963-1
4)
Theo Dingermann, Karl Hiller, Georg Schneider, Ilse Zündorf; Arzneidrogen; Spektrum Akademischer Verlag, 5. Auflage; 2004 http://www.springer.com/springer+spektrum/biowissenschaften/biochemie/book/978-3-8274-2765-6
5)
Nam, Ki-Yeul. The comparative understanding between red ginseng and white ginsengs, processed ginsengs (Panax ginseng CA Meyer). Journal of Ginseng Research, 2005, 29, 1, 1-18. http://www.koreascience.or.kr/article/ArticleFullRecord.jsp?cn=GROSBR_2005_v29n1_1
6)
Wang, Chong-Zhi, et al. Red American ginseng: ginsenoside constituents and antiproliferative activities of heat-processed Panax quinquefolius roots.Planta medica, 2007, 73, 7, 669. http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC2657361/
7)
Kang, Ki Sung, et al. „Increase in the free radical scavenging activity of ginseng by heat-processing.“ Biological and Pharmaceutical Bulletin, 2006, 4, 750-754. http://bpb.pharm.or.jp/bpb/200604/b04_0750.pdf
  • pflanzendrogen_und_extrakte/ginseng_radix
  • Zuletzt geändert: 06.05.2018
  • von Stephan Scheeff