Pflanzendrogen und Extrakte

Als Pflanzendrogen versteht man Pflanzen, die durch geeignete Aufarbeitung als Arzneimittel verwendet werden können. Diese Verwendung basiert heute zum Teil auf wissenschaftlichen Studien und zum Teil auf jahrundertlange Erfahrung mit dem Umgang von Arzneipflanzen. Pflanzendrogen werden in der Pflanzenheilkunde, der sogenannten Phytotherapie, eingesetzt. Sie können entweder zur Linderung der Symptome und damit zur Unterstützung klassischer Medizin oder zur Bekämpfung der Krankheitsursachen eingesetzt werden.

Die Wirkung von Pflanzendrogen basiert auf wenige bis auf einen Hauptwirkstoff innerhalb der Pflanzen. Dieser kann durch geeignete Extraktionsverfahren isoliert werden. Dennoch kann dieser isolierte Hauptwirkstoff erheblich schwächer als die Pflanzendroge wirken. Grund dafür können unterstützende Wirkungen von Nebenwirkstoffen in der Pflanze sein, die selbst nicht wirksam sind.

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Beispiel einer Pflanzendroge: Baldrian aus Köhlers Medizinal Pflanzen

Pflanzenextrakte, wie einige Ätherische Öle oder zum Beispiel Kaffee, werden im Alltag eingesetzt, besitzen jedoch keine Verwendung als Arzneimittel.

Das Sammeln von Pflanzendrogen erforderte eine tiefgreifende Kenntnis und Erfahrung mit den jeweiligen Pflanzen. Die Inhaltsstoffe variieren je nach Standort und unterliegen Schwankungen. Maßgeblich spielen folgende Faktoren eine Rolle:

  • genetische Vorbestimmung
  • Umwelteinflüsse, wie
    • Nährstoffangebot
    • Bodenbeschaffenheit
    • Licht
    • Wasser
  • Erntezeitpunkt

Aufgrund dieser komplexen Zusammenhänge ist es meist sinnvoller Pflanzendrogen und Extrakte im Einzelhandel zu erwerben.

Zum Erntezeitpunkt lassen sich - verallgemeinert und im Einzelfall nicht immer zutreffend- folgende Merkregeln formulieren:

Pflanzenteil Erntezeitpunkt
Früchte und Samen wenn die Frucht reif ist
Wurzel und Wurzelstöcke im frühen Frühling, wenn die Pflanzen noch nicht getrieben haben bzw. im späten Herbst, bei einsetzenden Blätterfallen
Blüten die Blüten werden meist vor der vollen Blüte bzw. im Knospenstadium gesammelt
Blätter, Kraut bei der vollen Blüte oder etwas früher
Rinde im Frühling und Sommer

Je nach Pflanze werden verschiedene Pflanzenteile verwendet. Die wirksamen Inhaltsstoffe sind bei der einen Pflanze zum Beispiel vorallem in der Wurzel zu finden, bei der anderen in den Blüten. Diese Kenntnis führt zu einer gezielten Verabreichung der richtigen Pflanzenteile. Folgende Tablle gibt eine Übersicht über verwendete Pflanzenteile:

Deutsche Bezeichnung lateinische Bezeichnung Beispiel
Wurzel Radix Baldrianwurzel, Ginseng
Wurzelstock Rhizoma Ingwer
Rinde Cortex Weidenrinde
Blüte Flos Lindenblüten
Früchte Fructus Kümmel
Samen Semen Brechnuss, Tonkabohne
Blätter Folium Stevia Blätter
Kraut Herba Goldrutenkraut

Bei der Verarbeitung der Pflanzendrogen und Extrakte werden hauptsächlich eine Verbesserung des Wirkstoffspektrums, eine Konservierung, eine Entgiftung der Droge und eine besser Verarbreichungsform erreicht.

Bei frischem Pflanzenmaterial kann vor der Verarbeitung eine (gewollte) Fermentation erfolgen. Dadurch werden gezielt erwünschte Inhaltsstoffe angereichert, bzw. giftige Inhaltsstoffe verstoffwechselt. Bekannt ist die Fermentation durch das Rösten von Kaffee oder Tabak.

Frisches Pflanzenmaterial wird oft nur zur Herstellung von ätherischen Ölen verwendet. Wegen einer drohenden Fermentation werden Pflanzen getrocknet, um sie so vor dieser zu schützen. In modernen Verfahren werden die geernteten Pflanzen im Warmluftstrom bis 60°C über mehrere Stunden bzw. Tage getrocknet. Die Trockung, welche schonend verlaufen sollte, reduziert das Gewicht der Pflanzenteile durch den Entzug von Wasser zum Teil erheblich (bis auf 15 % bei Blüten), wobei 10 % bis 20 % der getrockneten Pflanze immer noch Wasser ist. Samen müssen nicht getrocknet werden.

Traditionelle Aufarbeitungsmethoden

Daneben gibt es traditionelle Trocknungsverfahren wie in der traditionellen chinesischen Medizin. Hier werden die Pflanzen zum Beispiel über Feuer getrocknet. Auch das Einkochen in einer Flüssigkeit wie Wein, Essig oder Honig mit anschließender Trocknung wird empfohlen um giftige Inhaltsstoffe zu entfernen. Zusätzlich werden Pflanzendrogen kalziniert, d.h. bei hoher Hitze wird jegliches Wasser entzogen. Die Drogen werden daher spröde und pulvrig.

Neben diesen Trocknungsverfahren können Pflanzen geröstet, gekocht und im Wasserdampf gegart werden. Jede dieser Aufarbeitungsmethoden muss auf die Pflanze angepasst werden, da sonst die Gefahr droht, dass die Wirkstoffe der Pflanze verloren gehen.

Pflanzendrogen und Extrakte können, je nach ihrer Verarbeitung, verschieden dargereicht werden. Die wohl bekannteste Dareichungsform ist der Teeaufguß, bei dem jedoch durch verschiedene Parameter (Wassertemperatur, Einwirkungsdauer, Menge der Droge) unterschiedliche Ergebnisse erzeugt werden können. Neben dem Tee können Pflanzendrogen auch als Saft, Sirup, Wein oder Spiritus (durch die alkoholische Extraktion) getrunken werden.

Ebenfalls bekannt ist die Verwendung von Pflanzendrogen und Extrakte als Salbe oder Gel. Die Herstellung von Salben und Gelen ist aufwändiger und erfordert genauere Kenntnisse der Inhaltsstoffe von Salben.

Getrocknete Pflanzendrogen und Extrakte können zu Pulver verarbeitet werden oder in Pillen gepresst werden.

Daneben können Pflanzendrogen und Extrakte als Tinkturen, Kräuterbäder und Umschläge verwendet werden.